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Ankunft (02.05.2004)

Nach einer Riesenschlange zur Passportkontrolle bin ich schon in Korea. Ich hatte gar nicht erwartet, die Teppichkeit des Flughafen in Acht nehmend, dass solche Scharen in Reihen stehen würden, auf das Treffen mit dem Heiligen Zoll-Petrus wartend. Irgendwie erinnerte es mich an den Grenzübergang Singapur-Johar Baru am ersten Tag des Sommerschlussverkaufs in Malaysia. Der einzige Unterschied war, dass potente Klimaanlagen den Schweißgeruch töteten und es gab keine schreienden Kinder. Mir wurde gesagt, dass solche Schlangen zum Petrus-Gericht sehr selten gebe, und dass der Moskauer Flughafen Sheremetevo-2 noch schlimmer sei. Leck mich doch… Wer spricht schon von Sheremetevo-2? Ich sprach doch von einer Schlange zum Jenseits-Richter, und nach Sheremetevo-2 kommt man schon normalerweise danach, und mit keinem positiven Urteil hinter sich.

Damit das Volk aus Langweile nicht durchdreht, werden die wartenden Ex-Fluggäste mit Videowerbung unterhaltet. Die Werbung zeigt mit dreiminütiger Wiederholung, wie eine sympathische Blondine aus der ausgerissenen Tür eines Frachtflugzeugs ausfällt, verzweifelt an herumfliegenden Seilen zu hängen versucht, völlig erschöpft Finger loslässt und schließlich in eine lebensinkompatible Tiefe stürzt. Und irgendeiner fröhlicher Koreaner beobachtet den ganzen Prozess grinsend in einem Großbildkasten. Vielleicht ist der Sinn der sich wiederholenden Abstürzerei, dass die in der Schlange stehenden Leute mehr an Glauben gewinnen, dass sie eigentlich noch Gluck hatten?

Die Stürze des Mädchens werden nur von Belehrungen des Zollamtes unterbrochen, die anschaulich in vier Sprachen (koreanisch, englisch, chinesisch und russisch) demonstriert, wie illegal die Einfuhr von Lebewesen und Pflanzen nach Korea ist. Derjenige, der es doch riskieren will, sich von seinem kuscheligen Freund oder vom Lieblingsgummibaum nie zu trennen, muss mit einer Strafe in Höhe von 5 Millionen Won rechnen. Übrigens, wenn Sie auch die SARS nicht deklarieren, bekommen Sie als Bonus zu dieser tödlichen Krankheit auch eine Strafe in Höhe von 5 Millionen. Die Wahl wird Ihnen überlassen, wen Sie verarschen – den lieben Herrn Gott oder die koreanische Zollbehörde.

Zurück zu den verbotenen Lebewesen. Als Beispiel von den letzteren wird eine Nahaufnahme vom zufriedenen Maul eines Spaniels gezeigt. Was haben Koreaner gegen Spaniele? Vielleicht ist es wie damals – die EU-Sanktionen gegen England, als bei denen der Rinderwahnsinn ausbrach! Oder essen vielleicht Koreaner keine Spaniele und bevorzugen andere Hunderassen, Labradore vielleicht… oder Dackel? Ich muss es rausfinden.

Untergebracht bin ich in einem kleinen Hotel mit dem Namen Kobos in der Nähe vom Parlament. Das Hotel ist niedlich ausgestattet und sehr tranquil. Auf jeden Fall, sein Wappen – ein umkreister, symmetrischer Tintenklecks aus psychiatrischen Verrücktheitstesten „Was sehen Sie in diesem Bild?“ – führt die Gedanken zur Selbstanalyse. Mein Zimmer hat eine kleine Sauna und eine Jacuzzi-Badewanne und Internet, zu dem ich kein Passwort habe. Neben dem Kissen liegt eine Packung mit drei Kondomen von der Marke, deren Namen – "Salama" in mir aufgrund meiner bescheidenen Außenmaße nur ein Minderwertigkeitskomplex hervorruft. Die Kondome scheinen gut zu sein, „Specially designed surface for her“ steht auf der Packung. Diejenige, für die eigentlich die Oberfläche „specially designed“ war, wurde komischerweise zur Verfügung nicht gestellt. So, habe ich keinen Nutzen von ihnen.

Viel Socializing hatte ich noch nicht. Der Kerl, der mich abholte, kam mit seiner Schwester und zusammen stellten die sofort meine Alterkategorie „28“ und meinen Familienstand „ledig“ fest. Infos wurden gespeichert. Ob sie sie weiterverwenden, weiß ich nicht.

Der Kerl (heißt Can. So nenne ich ihn – die Kanne) hat mir gesagt, dass man jeden Tag von 8:30 bis 19:00 arbeiten muss. Auch Samstags. Das heißt, Arbeit bis zum Umkippen. Umkippen ins Bett um 23:00 mit dem Brustbild nach unten. Und schlafen. Das ist wohl der koreanische Arbeitsansatz. Wie beim alten kommunistischen Slogan: „Fünfjährigen (Plan) vorfristig!“ Sogar in den alten Zeiten dachte ich immer das dieses Motto von einem zielstrebigen Kinderschänder erfunden wurde, der auf Fünfjährige und kleiner steht. Hierzulande wohl vom Arbeitsamt.

Welche Überraschungen hat der kommende Tag für mich? Wir werden schon sehen, was der blau Vogel der Fortuna gemacht hat – ist er auf meiner Schulter gelandet oder hat einfach auf meine Glatze geschissen?