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Pornographie Numero Uno (05.05.2004)

Seinerzeit noch in Shanghai, als ich und Mosias (mein israelischer Freund und gleichzeitig ein Sinologe) unter einem sehr positiven Eindruck von Talenten der Frau Christy Chung uns befanden, beschlossen wir, an dem Füllhorn der ostasiatischen Pornografie ein bisschen zu nippen. Zur Einführung wurde ein koreanischer VCD-Hardcore-Film erworben. Wir haben den VCD-Player von unserem Nachbar – einem buddhistischen Mönch aus Nepal, dessen Namen wir uns nie merken konnten und deswegen den Burschen immer Brahmaputra nannten, - ausgeliehen und rein mit dem Movie.

Was für eine Überraschung haben wir erlebt…. Ne, keine Überraschung sondern eher Hoffnungen. Drei Viertel des Gesamtstreifens spazierte das süße Pärchen auf einem Gestade; er streckte den muskulösen Arm in die Richtung des rosaroten Dunstes am Horizont und erklärte ihr mit einschmeichelnder Stimme eines Professors, der ein Kind über die Regenentstehung aus Wasserkondensation aufklärt und weiteres. Schlimmer noch - noch 15 Minuten warfen er und sie weiße Tauben in die Luft, und erst danach bumsten sie 10 Minuten völlig unüberzeugend an einer Palme in der Stellung „Mama putzt das Fenster“. Basta! Furcht erregend! Irgendwelche Scheißromantik mit Samtnächten, graziösen Sprüngen, Herumflattern, Lächeln, Händedrücken, pfirsichfarbigen Wangenröten. Überhaupt nichts von motivierenden Schreien „Fuck!“, Sechskilogramm-Titten oder wie in deutschen Analogen von dem Gebrülle „Ich spritze! Ich spritze!“. Allem Anschein nach bedarf der Sex in Korea unbedingt einer konfuzianischen ideologischen Begründung. Jedenfalls, im Falle der Pornografie gehen lokale auf einen Geschlechtskontakt wie auf den Kontakt mit außerirdischen Zivilisationen – behutsam checkend, rabenmäßig mit einem Auge hinguckend, und möglichst kurz, als ob die Angst hätten, sich mit einer marsische Cholera anzustecken.

Bei mir in Kobos habe ich zwei Pornokanäle. Der erste heißt Erotic Island 4 und er zeigt ungefähr die gleichen Abenteuer wie oben beschrieben, die zu gucken genau so mitreißend ist, wie den Prozess des Farbentrockens auf der Wand zu betrachten.

Den Namen des zweiten verstehe ich nicht, da er auf Koreanisch ausgeschrieben ist. Der ist ganz anders. Da treten Leute in Geschlechtsverkehr ein wie einer Kolchose bei – alleine, zu zweit, zu dritt, massenweise, mit Haustieren und Haushaltsgeräten. Mit der Verwendung der letzten erweitern gesellige Koreaner beträchtlich die Horizonte der Kamasutra. Gefilmt ist dieser 24-stündiger Pornoschlachthof mit der Qualität eines Home-Videos, was zusammen mit dem asiatischen weiblichen Gewinsel ein unvergleichbares Gefühls eines Snuff-Pornos auf die Seele drückt. Diese Pornografie ist zu so einem Grad mechanisiert, dass sie sogar Charakter eines industriellen Betriebs hat. Darin ist genauso wenig Erotik wie in einer Staubsaugerserienfertigung.

Das Interessante aber and diesem erbarmungslosen Kopulieren ist der Musikhindergrund, der ausschließlich aus Top-Hits der 70er besteht. I am sailing, I am sailing! Und wenn dabei die ganze erste LP-Seite von Pink Floyd „The Wall“ abgespielt wird,… féérique! “…we don’t need no education, die Koreaner besteigen nicht die Koreanerinnen sonder die Bastille. Unmöglich zu schauen.